Stell dir vor, du drehst einen Recruitingfilm und fragst im Interview: „Was macht euren Betrieb besonders?“ Die Antwort: „Wir sind innovativ.“ Vielleicht stimmt das. Für einen LinkedIn-Clip gibt’s trotzdem noch keine Szene. Frag lieber: „Was prüfst du hier gerade – und woran merkst du, dass es passt?“ Dann haben wir eine echte Tätigkeit vor der Kamera statt des nächsten Buzzwords mit Bauchbinde.

LinkedIn und AI Slop: Was sich geändert hat

LinkedIn hat am 15. September berichtet, dass in den ersten zwei Wochen nach Einführung mehr als eine Million Mitglieder die Rückmeldung „Seems Like AI Slop“ genutzt haben. Die Plattform sagt außerdem, dass die Aufrufe von Inhalten, die sie als AI Slop einstuft, durch ihre jüngsten Maßnahmen um 40 Prozent gesunken seien. Das sind LinkedIns eigene Zahlen. Sie bedeuten weder 40 Prozent weniger Reichweite für jeden KI-Clip noch ein neues Geheimrezept für deinen nächsten Post.

Mit AI Slop meint LinkedIn wenig aufwendige, wahrscheinlich KI-generierte Inhalte, die glatt klingen, aber kaum eine eigene Sicht oder Substanz mitbringen. Auch generische, wiederholte oder recycelte Beiträge fallen darunter. Für mich ist deshalb die bessere Frage nicht „Habe ich KI benutzt?“, sondern: „Steckt hier eine echte Beobachtung drin, die ich auch im Gespräch erklären kann?“ KI kann einen Satz glätten. Sie kann dir aber keine Erfahrung leihen, die im Interview nie erzählt wurde.

So wird aus dem B2B-Interview ein guter Clip

Frag im Interview nicht nur nach großen Worten. Frag nach einem Moment, an dem etwas geprüft, entschieden oder gelöst wird: „Was kontrollierst du, bevor das Teil weitergeht?“ oder „Woran merkst du, dass hier etwas nicht stimmt?“ Wenn die Person den Schritt zeigen kann und darf, lass sie ihn vormachen. Ein echter Handgriff erklärt oft mehr als eine weitere Bauchbinde mit „Qualität“ oder „Innovation“.

Beim Schnitt würde ich lieber zwei Sekunden Kontext stehen lassen, als eine Antwort auf einen rätselhaften Halbsatz zusammenzustutzen. Zeig die Handlung, über die gesprochen wird, und prüf, ob der Clip auch ohne den Hauptfilm verständlich bleibt. Wenn erst Bauchbinde oder Sprechertext erklären, worum es geht, fehlt wahrscheinlich der Zusammenhang – nicht noch ein schnellerer Zoom.

LinkedIn nennt Verständlichkeit, Relevanz für die Zielgruppe und hilfreiche Informationen als Qualitätsmerkmale. Die Plattform berücksichtigt außerdem verschiedene Signale und Mitglieder-Feedback; bei dauerhaft stark negativer Rückmeldung können Videos seltener Menschen außerhalb der eigenen Followerschaft gezeigt werden. Ich nehme das als brauchbare Prüfliste, nicht als Algorithmus-Rezept: Ein sauberer Clip garantiert keine Reichweite. Aufrufe allein sagen außerdem nicht, ob die passenden Menschen danach Kontakt aufnehmen.

Das Setup: Bild, Ton und Licht am Drehort testen

Denk an ein Interview direkt am Arbeitsplatz: Die Sony FX3 nimmt das Bild auf, das DJI Mic II sorgt für eine nahe Sprachaufnahme und die Aputure LS C300X bringt zusätzliches Licht ins Gesicht, wenn der Raum es braucht. Vor der Aufnahme würde ich drei Dinge prüfen: Sieht man den wichtigen Handgriff? Versteht man die Stimme im tatsächlichen Raum? Wirkt das Licht natürlich – und nicht, als würde gerade ein Baustrahler ein Verhör führen? Zu den genannten Geräten findest du weitere Informationen auf den verlinkten Rental-Seiten. Die konkrete Verfügbarkeit bitte direkt anfragen.

  • Stell eine Frage, die eine echte Handlung hervorholt – nicht bloß das nächste Unternehmens-Schlagwort.
  • Lass die Person in eigenen Worten antworten. Ein auswendig gelernter Satz klingt selten so gut wie ein klarer Gedanke.
  • KI darf beim Transkript, bei Untertiteln oder beim Rohschnitt helfen. Vor der Veröffentlichung prüfst du Aussage, Fachbegriffe und Ton selbst.
  • Dreh passende Bilder vom Ablauf, solange Sicherheitsregeln und Freigaben es erlauben. Sonst hast du am Ende sechs schöne Einstellungen von einem Handschuh und keine vom eigentlichen Arbeitsschritt.

Zum Schluss schau den Clip so an, wie er im Feed auftaucht: einmal stumm mit Untertiteln, dann über den Handylautsprecher. Erkennt man, wer was tut und warum es wichtig ist? Passt das Bild zur Aussage? Stimmt jeder Fachbegriff? Wenn erst Animation oder Bauchbinde den Sinn retten, geh noch einmal an Interviewfrage und Schnitt zurück. Klingt nach Kleinkram, erspart dir aber die Freigaberunde mit der Frage: „Worum ging’s hier eigentlich?“

Zeigt, wie eure Arbeit wirklich aussieht.

Wenn ihr einen Recruiting- oder Unternehmensfilm plant, bringt eine Tätigkeit aus eurem Alltag mit, die ihr wirklich zeigen könnt. Daraus entwickeln wir gemeinsam eine passende Interviewfrage, eine verständliche Szene und LinkedIn-Ausschnitte, die auch ohne den Hauptfilm funktionieren. Dann muss „Innovation“ nicht allein vor der Kamera stehen.

Quellen und Bildnachweis