Bei einem Bürointerview würde ich zuerst durchs Kamerabild schauen, nicht in den Koffer. Färbt die Deckenlampe die Haut grün und sitzt hinter dem Kopf der Feuerlöscher, ist der Raum noch nicht fertig – auch wenn das Lichtset schon bereitsteht. Teste zwei Sitzplätze, bevor du die erste Leuchte aufbaust. Ein Meter zur Seite kann mehr bringen als noch ein Stativ im ohnehin engen Büro.
Erst den Raum, dann die Leuchte wählen
Ich vergleiche zwei mögliche Plätze direkt im Bild: Wo landet das Fenster, was hängt hinter dem Kopf, und wer muss später durchs Bild laufen? Nimm an jedem Platz ein paar Sekunden auf. So merkst du, ob dort nicht nur das Bild stimmt, sondern die Person auch in Ruhe sprechen kann.
Wenn du die Deckenleuchten steuern kannst, schalte sie für den ersten Test aus. Ich schaue zunächst nur aufs Fensterlicht und schalte danach einzelne Quellen wieder dazu. So erkennst du, welche Lampe den Farbstich oder harte Schatten verursacht – statt alle Lichter gleichzeitig einzuschalten und anschließend im Menü nach dem Schuldigen zu suchen.
Ein weiches Hauptlicht aufbauen
Beim Hauptlicht zählt für mich zuerst das Gesicht, nicht die Zahl auf dem Dimmer. Stell eine weiche Lichtquelle seitlich neben die Kamera und etwas über Augenhöhe. Sind beide Augen noch sichtbar? Wo fällt der Nasenschatten hin? Spiegelt sich die Softbox in der Brille? Wenn etwas stört, verschiebe die Leuchte ein kleines Stück und mach dieselbe kurze Probe noch einmal.
Wirkt der Schatten zu hart, würde ich nicht zuerst den Dimmer herunterdrehen. Eine kleine Lichtquelle bleibt klein, auch wenn sie dunkler leuchtet. Eine größere Softbox oder Diffusionsfläche macht die Lichtquelle aus Sicht der Person größer und das Licht weicher. Im engen Raum kannst du die Leuchte näher heranholen, solange sie nicht ins Bild rutscht. Wenn dafür kein Platz ist, ist ein anderer Sitzplatz oft die bessere Lösung.
Sobald der Winkel passt, notiere Höhe und Abstand oder markiere die Stativbeine. So bekommst du den Aufbau nach der Pause wieder hin, ohne die Softbox nach Gefühl an denselben Ort zu schieben. Im engen Büro ist eine kompakte Softbox oft einfacher unterzubringen; für einen weiteren Ausschnitt brauchst du mehr Abstand.
Schatten gezielt aufhellen
Bevor eine zweite Lampe dazukommt, halte eine weiße Fläche neben das Gesicht und nimm einen kurzen Vergleich auf. Das zeigt schnell, ob ein Reflektor reicht. Erst wenn die Schattenseite damit zu dunkel bleibt, ergänze ich ein weiches Fill-Licht und prüfe, ob das Gesicht noch zu einer plausiblen Lichtrichtung passt.
Für ein offenes Recruitingporträt darf das Gesicht heller wirken; bei einem konzentrierten Fachgespräch kann mehr Kontrast besser passen. Zwei kurze Aufnahmen mit und ohne Reflektor machen den Unterschied sichtbar. Wenn die erste Variante schon trägt, bleibt die zweite Lampe im Koffer. Sie muss nicht mit aufs Bild, nur weil sie mit zum Dreh gekommen ist.
Hintergrund und Gesicht getrennt prüfen
Gegenlicht ist kein Pflichtprogramm. Schalte es testweise aus: Bleiben Haare und Kleidung erkennbar? Dann lass es weg. Geht die Person vor dem Hintergrund unter, versetze erst die Person oder ändere den Abstand. Ein Licht von hinten lohnt sich, wenn es die Trennung im Bild wirklich verbessert.
Ein farbiger Akzent darf den Arbeitsplatz ergänzen, sollte aber nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Gesicht. Ich würde lieber ein ruhiges Detail aus dem echten Betrieb im Bild lassen, als den Hintergrund mit zusätzlichem Licht zur zweiten Hauptfigur zu machen. Prüfe gleich den engeren Hochformatausschnitt für Social, damit der Akzent dort nicht plötzlich alles dominiert.
Mischlicht vor der Aufnahme klären
Fenster, Deckenlampe und Filmleuchte können verschiedene Farben aufs Gesicht werfen. Ich suche erst die störende Quelle, statt den Weißabgleich auf Verdacht zu verschieben. Die Aputure LS 300x lässt sich von 2.700 bis 6.500 Kelvin einstellen. Das hilft beim Anpassen dieser Leuchte, beseitigt aber nicht automatisch jede Mischung aus Tages- und Kunstlicht. Mach eine Probe und beurteile die Haut im späteren Ausschnitt.
Wenn mehrere Takes zusammengehören, stell den Weißabgleich fest ein und nimm am Platz der Person eine neutrale Referenz auf. Wirkt eine Gesichtshälfte grün oder blau, ändere zuerst die störende Lichtquelle oder den Sitzplatz. Ein fester Weißabgleich kann verschiedene Lichtfarben nicht einzeln korrigieren – dafür müsste das Licht selbst sauberer zusammenpassen.
Equipment am konkreten Raum auswählen
Mein Setup würde ich nach Raum, Ausschnitt und verfügbarer Zeit wählen – nicht nach dem größten Koffer. Im Rental-Katalog findest du die Aputure LS 300x, dazu die Lightdome Mini und die Nova P300c. Frag vor der Buchung nach Modell und Zubehör: Bei der Lightdome Mini entscheidet die genaue Version über den Anschluss. Aputure führt LS 300x und Nova P300c als nicht mehr in Produktion; im Rental-Katalog sind sie aktuell gelistet. Die Mietbarkeit sagt nichts über einen freien Termin aus, also lass das konkrete Set vorab bestätigen.
Die Nova P300c-Softbox misst 70 × 50 cm und kommt mit Diffusion sowie einem 40°-Grid. Miss im Büro auch die 28 cm Tiefe nach. Ich prüfe vor dem Aufbau zusätzlich, ob neben der Person noch Platz für Stativ, Kabel und Laufweg bleibt. „Passt schon irgendwie“ ist kein besonders zuverlässiges Maßband.
Vor dem Take: Sicherheit und Testaufnahme prüfen
Sichere die Stative, leg Kabel aus dem Laufweg und lass die Lüftungsschlitze frei. Prüfe Kabel auf sichtbare Schäden und beachte die Sicherheitshinweise der Leuchte. Das ist kein spektakulärer Teil des Drehs, aber ein umgestürztes Stativ wäre eine deutlich längere Unterbrechung. Für Video brauchst du Dauerlicht, keinen Fotoblitz.
Vor dem Take nehme ich eine kurze Probe mit Stimme und Bewegung auf: Die Person spricht, dreht den Kopf und beugt sich etwas vor. Hör dir die gespeicherte Datei an und prüfe Brillenreflexe, Flimmern, Bildausschnitt und Ton. Ein Lüfter, den am Set niemand bemerkt, sitzt später gern als stiller Gast auf der Tonspur. Wenn alles passt, notiere die Positionen – dann muss der Aufbau nach der Pause nicht neu erfunden werden.
Dein Interview vorbereiten
Fang beim Raum an, nicht bei der Einkaufsliste. Wo ist das Fenster, wo sitzt die Person und was soll im Hintergrund zu sehen sein? Daraus ergibt sich oft ein kleineres Setup als gedacht. Planst du einen Recruitingfilm, besprechen wir diese Punkte vor dem Drehtag – dann passt das Licht zum Raum und zur Geschichte.
Quellen und Bildnachweis
Aputure: Lichtplanung mit Tom Shaw (06.05.2026)
ARRI Lighting Handbook: Light Quality, Key und Fill Light
Aputure: LS 300x – Bedienung
Aputure: Nova P300c Softbox
Aputure: Nova P300c – Herstellerstatus
Aputure: LS 300x – technische Daten und Herstellerstatus
Herstellerquellen und Rental-Katalog am 13.10.2026 geprüft.
Beitragsbild: Hc Digital / Pexels, Pexels-Lizenz, abgerufen am 01.10.2026. Symbolbild eines Fotostudios mit Softboxen und Blitzgeräten; zeigt keinen infinitymedia-Dreh und kein konkretes Video-Dauerlichtsetup. Keine Kooperation mit den abgebildeten Marken.



