Wenn ich ein Interview im Büro ausleuchte, beginne ich nicht mit der stärksten Lampe, sondern mit der Person und dem Raum. Sonst ist schnell das Fenster zu hell, das Gesicht zu dunkel oder die Deckenleuchte wirft unschöne Schatten. Mit diesem Ablauf kannst du das vorhandene Licht prüfen und dein Setup vor dem eigentlichen Gespräch testen.

1. Erst den Raum, dann die Leuchte wählen

Ich setze die Person zuerst probeweise an zwei oder drei Plätze und schaue durch die Kamera. Was erzählt der Hintergrund? Wo sind Fenster, Reflexionen oder Laufwege? Danach nehme ich an jedem Platz ein paar Sekunden auf. So sehe ich auch, ob der Raum ruhig genug ist und ob sich die Person dort wohlfühlt.

Bevor ich zusätzliches Licht aufbaue, schalte ich – soweit es vor Ort möglich ist – störende Deckenleuchten aus und prüfe, wie weit sich das Fenster kontrollieren lässt. Im Aputure-Leitfaden mit Tom Shaw vom 6. Mai 2026 wird ebenfalls empfohlen, zuerst Bildausschnitt und vorhandenes Licht zu beurteilen. Ich nutze das als sinnvolle Reihenfolge, nicht als starres Rezept.

2. Ein weiches Hauptlicht aufbauen

Mein Ausgangspunkt für ein ruhiges Interview ist eine weiche Lichtquelle seitlich neben der Kamera und etwas oberhalb der Augen. Ungefähr 30 bis 45 Grad können ein guter erster Versuch sein. Dann schaue ich auf die Person: Sind die Augen klar zu sehen? Wo liegt der Nasenschatten? Reflektiert die Softbox in der Brille? Das Kamerabild entscheidet, nicht die Zahl auf dem Winkelmesser.

Für weichere Schatten vergrößere ich die leuchtende Fläche relativ zur Person. Nur die Helligkeit herunterzuregeln macht eine kleine Lichtquelle nicht weicher. Eine Softbox oder Diffusion verändert den Charakter des Lichts; die Grundidee ist im ARRI Lighting Handbook unter „Light Quality“ beschrieben.

Ich verschiebe die Leuchte in kleinen Schritten und prüfe jedes Mal dieselbe Einstellung. In einem engen Büro kann eine kompakte Softbox praktischer sein; bei einem weiteren Bildausschnitt brauche ich womöglich mehr Abstand. Wenn die Position funktioniert, markiere ich sie oder notiere Abstand und Höhe, damit ich sie nach einer Pause wiederfinde.

3. Schatten gezielt aufhellen

Wird die Schattenseite zu dunkel, probiere ich zuerst eine weiße Reflexionsfläche. Ich stelle sie so, dass sie etwas vom Hauptlicht zurückwirft, und vergleiche die Aufnahme mit und ohne Reflektor. Eine zweite weiche Leuchte kann ebenfalls helfen. Ich achte darauf, keine neue dominante Schattenrichtung zu erzeugen; ARRI erklärt diesen Punkt im Abschnitt „Fill Light“.

Ich entscheide nach zwei kurzen Vergleichsaufnahmen, wie viel Aufhellung passt. Für ein freundliches Recruitingporträt darf das Gesicht heller und offener wirken. Bei einem konzentrierten Fachinterview lasse ich oft mehr Kontrast stehen. Eine zweite Lampe ist für mich kein Pflichtteil, wenn der Reflektor bereits das gewünschte Bild ergibt.

4. Hintergrund und Gesicht getrennt prüfen

Jetzt prüfe ich, ob Haare und Kleidung vor dem Hintergrund erkennbar bleiben. Manchmal reicht es, die Person ein Stück zu versetzen. Ein Licht von hinten setze ich nur ein, wenn es im Bild wirklich hilft. Ich schalte es zum Vergleich aus: Fehlt dann eine klare Kontur oder fällt der Hintergrund sogar angenehmer aus?

Ein Lichtakzent im Hintergrund sollte den Arbeitsplatz unterstützen und nicht heller sein als das Gesicht. Bei einem Recruitingfilm lasse ich lieber ein echtes, ruhiges Detail aus dem Betrieb stehen, statt den Raum dekorativ bunt zu machen. Wenn zusätzlich ein Hochformat für Social geplant ist, kontrolliere ich den engeren Ausschnitt gleich mit.

5. Mischlicht vor der Aufnahme klären

Wenn Fensterlicht und Raumleuchten gleichzeitig auf das Gesicht fallen, prüfe ich zuerst, welche Lichtquelle den Farbstich verursacht. Die LS 300x lässt sich laut Aputure zwischen 2.700 und 6.500 Kelvin einstellen. Das ist ein technischer Bereich, kein fertiger Weißabgleich für jedes Büro. Ich gleiche die Leuchte an die Situation an und kontrolliere die Hauttöne in einer Testaufnahme.

Für zusammengehörige Einstellungen lege ich den Weißabgleich fest und lasse ihn nicht unbemerkt zwischen den Takes springen. Ich nehme eine neutrale Referenz im Licht der Person auf. Wenn eine Deckenleuchte einen deutlichen Farbstich verursacht, ändere ich lieber das vorhandene Licht oder den Platz, statt nur an der zusätzlichen Leuchte herumzudrehen.

6. Mit dem belegten Katalog planen

Für ein solches Setup kommen je nach Raum die Aputure LS C300X, die Lightdome Mini oder die Nova P300C aus unserem Rental-Katalog infrage. Bei der Lightdome Mini würde ich vor dem Dreh die genaue Ausführung und Kompatibilität bestätigen; die Bezeichnung allein klärt die Generation nicht.

Für die Nova P300C beschreibt Aputure eine 70 × 50 Zentimeter große Softbox mit Diffusion und Lichtkontrollgitter. Ich prüfe vor der Auswahl auch Platzbedarf, Abstand zur Person und den gewünschten Bildausschnitt. Ein Datenblatt hilft beim Planen, ersetzt aber nicht den Test im tatsächlichen Raum.

Die letzte Kontrolle gehört zur Testaufnahme

Vor jeder Aufnahme sichere ich die Stative, führe Kabel aus den Laufwegen und lasse die Lüftungsöffnungen frei. Ich prüfe die Kabel auf sichtbare Schäden und beachte die Sicherheitshinweise im LS-300x-Handbuch. Für Video setze ich Dauerlicht ein; ein Fotoblitz ist während der laufenden Aufnahme kein Ersatz.

Zum Schluss nehme ich mit Bild und Ton eine kurze Probe auf. Ich bitte die Person zu sprechen, den Kopf zu bewegen und sich leicht vorzulehnen. Dann prüfe ich Schatten, Brillenreflexe, Flimmern und Lüftergeräusche – und schneide gedanklich auch den geplanten Social-Ausschnitt mit. Erst wenn das gespeicherte Bild passt, notiere ich Lichtpositionen und Kamerawerte für den eigentlichen Dreh.

Dein Interview vorbereiten

Du planst ein Unternehmensinterview oder einen Recruitingfilm? Schick uns Anlass, Raum und die vorgesehenen Formate. Wir besprechen mit dir, welcher Aufnahmeumfang und welcher Lichtaufbau zum Projekt passen.

Quellen und Bildnachweis
Aputure: Lichtplanung mit Tom Shaw (06.05.2026)
ARRI Lighting Handbook: Light Quality, Key und Fill Light
Aputure: LS 300x – Bedienung
Aputure: Nova P300c Softbox
Aputure: LS 300x – Produkthandbuch
Alle Quellen am 01.10.2026 geprüft. Katalogbezüge am selben Tag verifiziert.
Beitragsbild: Hc Digital / Pexels, Pexels-Lizenz, abgerufen am 01.10.2026. Symbolbild eines Fotostudios mit Softboxen und Blitzgeräten; zeigt keinen infinitymedia-Dreh und kein konkretes Video-Dauerlichtsetup. Keine Kooperation mit den abgebildeten Marken.