Wenn ich am Set Hoch- und Querformat brauche, plane ich beide Bilder vor dem Dreh – nicht erst beim Schnitt. Ein breites Master kann Spielraum für einen vertikalen Ausschnitt geben, aber keine fehlenden Bildinformationen herzaubern. Mit diesem Ablauf prüfst du Framing, Bewegung und Grafiken, bevor der Dreh richtig losgeht.
1. Vor dem Dreh die Ausspielungen festlegen
Ich notiere vorab, wo der Film ausgespielt wird und welche Fassungen wirklich gebraucht werden. Danach setze ich im Sucher oder auf dem Monitor Markierungen für 16:9 und 9:16. Ich prüfe, ob Gesicht, Hände und wichtige Arbeitsdetails innerhalb beider Ausschnitte bleiben. Wenn nicht, plane ich einen eigenen Hochformat-Take ein.
Bei Interviews lasse ich mehr Luft um die Person, als ich für den breiten Schnitt allein benötigen würde. Trotzdem kontrolliere ich den Hochformatausschnitt: Sitzt das Gesicht noch gut? Bleiben Gesten sichtbar? Muss ein Logo oder eine Maschine lesbar sein? So merke ich vor dem Dreh, ob ich Kamera oder Person anders positionieren muss.
2. Den breiten Bildausschnitt als Grundlage setzen
Ein Monitor mit Frame Guides hilft, beide Bildgrenzen gleichzeitig zu sehen. Beim ATOMOS Ninja V aus unserem Rental-Katalog lassen sich je nach Setup unter anderem 9:16-, 4:5- und 1:1-Markierungen einblenden. Ich würde die Guides vor dem Dreh mit der richtigen Auflösung und Ausrichtung prüfen; sie markieren den Ausschnitt, sie erzeugen keine zweite Kamerabewegung.
Für die Kamera markiere ich den wichtigen Bereich und lasse außerhalb davon genug Reserve. Wenn eine Person durchs Bild läuft, probiere ich die Bewegung einmal vollständig aus und prüfe, ob sie innerhalb beider Ausschnitte bleibt. Ein Frame Guide ist dabei eine Hilfe fürs Framing, kein Ersatz dafür, die Aufnahme später in beiden Formaten anzusehen.
3. Bewegung und Gesten im Hochformat testen
Bei Schwenks, Gimbalbewegungen und Handkamera teste ich den ganzen Bewegungsweg. Was im breiten Bild noch Platz hat, kann im Hochformat schnell angeschnitten sein. Wenn die Aktion nicht in beiden Ausschnitten funktioniert, drehe ich einen zusätzlichen Take mit eigener Kameraführung, statt den breiten Clip später aggressiv zu vergrößern.

Ich nehme wichtige Handlungen lieber zweimal auf, wenn Hoch- und Querformat beide gleich stark sein sollen. Beim zweiten Take kann ich Person und Kamera gezielt auf das Hochformat ausrichten. Das kostet am Set ein paar Minuten und erspart oft einen Kompromissschnitt, bei dem Hände, Produkt oder Gesicht aus dem Bild rutschen.
4. Für wichtige Aussagen eine zweite Variante aufnehmen
Untertitel, Bauchbinden und Logos plane ich pro Format. Eine Textzeile, die im Querformat unten Platz hat, kann im Hochformat genau über Bedienelementen der Plattform liegen oder die Person verdecken. Ich kontrolliere deshalb einen echten Export im jeweiligen Seitenverhältnis und nicht nur die Guides am Set.
Vor dem Dreh speichere ich die benötigten Formate, Bildraten und Markierungen als kurzen Kamera- und Monitorcheck. Bei einem ATOMOS Ninja V schaue ich in den Frame-Guide-Einstellungen nach den passenden Vorlagen und erstelle bei Bedarf eine eigene Markierung. Die verfügbaren Varianten dokumentiert ATOMOS in der Frame-Guide-Hilfe.
5. Untertitel und Bildränder kontrollieren
Am Set nehme ich einen kurzen Testclip auf und exportiere daraus je eine schnelle 16:9- und 9:16-Probe. Ich prüfe Gesicht, Gesten, Text und wichtige Gegenstände. Wenn beide Versionen funktionieren, kann der eigentliche Dreh starten. Wenn nicht, ändere ich Standort oder Bildaufbau, solange es noch einfach ist.
Ich plane für jede wichtige Szene kurz, welche Information im Querformat und welche im Hochformat sichtbar sein muss. Ein einfacher Shotplan mit Format, Motiv und benötigter Bewegung verhindert, dass die Social-Fassung erst im Nachhinein zusammengesucht wird.
6. Vor dem Dreh beide Fassungen ansehen
Für ein Projekt mit mehreren Ausspielungen würde ich außerdem direkt nach dem Dreh beide Formate grob anlegen. So sehe ich, ob ein Take reicht oder ob ein zusätzlicher Schnitt nötig ist, bevor das Team den ganzen Film fertigstellt.

Ich lege für jede wichtige Szene kurz fest, welche Information im Querformat und welche im Hochformat sichtbar sein muss. Ein kleiner Shotplan mit Format, Motiv und Bewegung verhindert, dass ich die Social-Fassung später aus Zufallsmaterial zusammensuchen muss.
Deinen nächsten Dreh vorbereiten
Wenn du Hoch- und Querformat für eine Filmproduktion planst, schick mir die vorgesehenen Kanäle und Motive. Dann kläre ich mit dir früh, welche Szenen doppelt gedreht werden sollten und welches Setup passt.
Quellen und Bildnachweis
Beitragsbild: Mico Medel, Filmmonitor am Set, Pexels.
Bild im Beitrag: InfinityMedia-Archiv, eigene Aufnahme einer Interviewproduktion in Solingen.
Das Beitragsbild ist ein Symbolbild. Nutzung gemäß Pexels-Lizenz; abgerufen am 02.10.2026.
ATOMOS Ninja V: Frame Guide und Formatmarkierungen. Aufruf: 05.10.2026.



