Ein Beispiel aus dem Schnitt: Du suchst in einem langen Interview die passende Antwort, drückst Play – und das Bild kommt kaum hinterher. Ich würde dafür zuerst einen kurzen Proxy-Test machen, bevor ich den ganzen Film neu umbaue. Proxys sind zusätzliche Arbeitskopien des Videomaterials. Du schneidest damit, behältst die Kameraoriginale und prüfst vor dem finalen Export, dass Resolve wieder auf diese zugreifen kann.
Braucht dein Schnitt überhaupt Proxys?
Für mich entscheidet die Aufgabe: Läuft ein kurzer Social-Clip flüssig, spare ich mir die zusätzliche Vorbereitung. Bei langen Interviews oder mehreren Kameraperspektiven lohnt sich ein Vergleich. Nimm einen Abschnitt, der beim Abspielen tatsächlich stockt. Wenn schon ein einzelner Clip ohne Effekte ruckelt, sind Proxys ein sinnvoller Versuch. Wird die Timeline erst mit aufwendigen Effekten langsam, würde ich die Effekte separat prüfen.
Verwechsle dabei nicht Proxy Media mit Timeline Proxy Resolution. Das eine erzeugt eigene Mediendateien, das andere reduziert die Auflösung der Timeline-Verarbeitung. Ein Klick auf „Half“ in der Wiedergabe erstellt noch keine Arbeitskopien. Diese Anleitung bezieht sich auf Resolve 21.1 und nutzt die englischen Menünamen zur Orientierung. [1]
Originale behalten, Arbeitskopien getrennt ablegen
Ich würde zuerst die Medien sortieren: Kameraoriginale in ihrer bestehenden Ordnerstruktur lassen, Proxys in einen klar benannten Arbeitsordner schreiben. Die Proxys ersetzen weder die Originaldateien noch deren Sicherung. Importiere die Kameraoriginale in den Media Pool; leg nicht einfach kleinere Ersatzvideos als vermeintliche Originale in die Timeline.
In Project Settings → Master Settings → Working Folders findest du die Proxy generation location. Prüfe den Pfad und den freien Platz, bevor du einen ganzen Drehtag umrechnest. Mein erster Durchlauf wäre ein langer Interviewclip plus ein kurzer Clip mit Bewegung: überschaubar genug zum Vergleichen, aber aussagekräftiger als fünf Sekunden leere Wand. [1]
Mit zwei Clips ein brauchbares Format finden
Unter Master Settings → Optimized Media and Render Cache legst du Proxy Media Resolution und Proxy Media Format fest. Für UHD-Material ist „Half“ ein plausibler Startpunkt zum Ausprobieren. Welche Formate angeboten werden, hängt auch vom System ab; ein ProRes-Rezept passt deshalb nicht automatisch auf jeden Rechner. [1]
Ich würde zunächst ein verfügbares Schnittformat wie ProRes Proxy oder DNxHR LB vergleichen. Entscheidend ist, ob sich dein Material damit gut abspielen und beurteilen lässt. Kleiner ist nicht automatisch praktischer: Gesichter und Mundbewegungen müssen fürs Interview noch erkennbar sein. Markiere die Testclips im Media Pool, öffne das Kontextmenü und wähle Generate Proxy Media. Warte, bis die Erstellung abgeschlossen ist. [1]
Kontrollieren, womit Resolve gerade abspielt
Wähle im Edit-Modul Playback → Proxy Handling → Prefer Proxies. Spiel denselben Abschnitt erneut ab und spring zu denselben Stellen. Ich würde auf stockende Bewegung und die Reaktion beim Verschieben des Abspielkopfs achten. Ein bloß vorhandener Proxy-Ordner ist noch kein Beweis dafür, dass Resolve die Dateien gerade nutzt.
Die Statussymbole im Media Pool beziehungsweise am Clip zeigen den Medienzustand. Die Warnung, die ich ernst nehme: Eine violette Linie in der Timeline kennzeichnet fehlende Kameraoriginale. Auch Prefer Camera Originals kann dann auf vorhandene Proxys zurückfallen. Ein sichtbares Bild heißt also nicht automatisch, dass das Original erreichbar ist. Wenn die Testclips passen, kannst du die übrigen benötigten Clips erzeugen lassen. [1]
Der Proxy Generator ist eine zweite Möglichkeit
Für wiederkehrende Ordnerabläufe gibt es den separaten Blackmagic Proxy Generator: Du bestimmst überwachte Ordner, und die Anwendung erstellt Arbeitskopien neu hinzugefügter Kameraoriginale. Resolve kann diese automatisch verknüpfen. Das ist eine Alternative zur Erzeugung aus dem Media Pool, keine zusätzliche Pflichtstation. [2]
Für den ersten Test würde ich bei der direkten Variante bleiben, weil du nur die ausgewählten Clips umrechnest. Bei einer Übergabe an einen anderen Schnittplatz müssen Projekt und passende Medien zusammenpassen. Werden Proxys verschoben, lässt sich die Zuordnung über Link Proxy Media im Kontextmenü des Media Pools herstellen. Danach Anfang, Mitte und Ende des Clips auf Bild und synchronen Ton prüfen. [1]
Vor der Ausgabe die Originale wirklich prüfen
Für Schärfe, feine Strukturen und die abschließende Bildbeurteilung gehe ich gedanklich zurück zum Kameramaterial. Kleine Arbeitskopien sollen den Schnitt erleichtern; sie sollen dir nicht einreden, eine weich gezeichnete Augenpartie sei bestimmt schon scharf genug. Prüfe diese Stellen am Original und bei einer passenden Viewer-Vergrößerung.
Mein Kontrollschritt vor dem Master: Playback → Proxy Handling → Disable All Proxies. Damit zwingst du die Wiedergabe auf Originalmedien. Fehlt etwas, zeigt Resolve Media Offline. Erst die Originaldatei wieder verknüpfen, dann weiter. So hängt die Prüfung nicht am gut gemeinten Rückfall auf eine Arbeitskopie. [1]

Den fertigen Export außerhalb der Timeline ansehen
Im Deliver-Modul verwendet Resolve standardmäßig die Originale für die Ausgabe. Die Option Use proxy media unter den erweiterten Videoeinstellungen erlaubt stattdessen eine Ausgabe aus Proxys. Für einen finalen Master lasse ich sie aus; eine bewusst so erzeugte Vorabversion würde ich eindeutig als solche kennzeichnen. Prüfe außerdem die übrigen Exporteinstellungen für dein Lieferformat. [1]
Render zunächst einen kurzen Abschnitt mit Gesicht, Bewegung und feinen Details. Öffne die Datei außerhalb von Resolve und kontrolliere Bild, Ton, Auflösung und den gewünschten Ausschnitt. Meine Empfehlung ist ganz unspektakulär: Erst wenn dieser Test passt, den langen Export starten. Eine flüssige Timeline ist schön. Die Datei, die du tatsächlich abgibst, muss trotzdem stimmen.
Du möchtest aus Interviewmaterial einen Film und passende Social-Clips schneiden lassen? Wir können die Postproduktion für dein Projekt besprechen – mit einem klaren Blick auf Material, Ausgabeformate und den tatsächlichen Lieferumfang.
Quellen und Bildnachweis: [1] Blackmagic: Resolve-21.1-Handbuch, Kap. 8; [2] Blackmagic: Proxy Generator; geprüft 14.10.2026; Titelbild: Adam Sondel / Pexels, Pexels-Lizenz, Symbolbild eines Schnittplatzes mit anderer Software; Bild im Text: InfinityMedia-Archivmaterial, Symbolbild einer Interviewsituation, Archivabruf 14.10.2026.



