Stell dir vor: Du hast drei Stunden Interviewmaterial und bis morgen soll ein 30-Sekunden-Clip stehen. Der Satz, der den Film trägt, steckt irgendwo zwischen guten Antworten und solchen, die ohne die Frage davor nur halb so gut klingen. DaVinci Resolve 21.1 soll beim Suchen und Sortieren helfen. Ich würde den Assistenten zuerst nach einer klar begrenzten Stelle suchen lassen und prüfen, ob das schneller geht als meine normale Auswahl.
Was Resolve 21.1 dem Assistenten überlässt
Laut Blackmagic lassen sich Assistenten wie Claude, Claude Code und ChatGPT Codex in Resolve für Aufgaben einsetzen: Projekte analysieren, Medien ordnen, Einstellungen ändern oder Render-Aufträge bündeln. Ich würde nicht mit „Mach den Film fertig“ anfangen. Gib dem Assistenten lieber eine Sache, die du hinterher selbst beurteilen kannst – etwa bestimmte Interviewstellen zu einem Thema zu finden.
Ein Highlight-Vorschlag ist eine Fundstelle, noch kein fertiger Schnitt. Leg zuerst fest, welche Aussage im Film hängen bleiben soll. Wenn Resolve den richtigen Satz findet, aber die Frage davor wegschneidet, klingt er womöglich plötzlich nach etwas anderem. Hör deshalb immer den ganzen Gedanken mit an.
Was davon im Schnittalltag hilft
Bevor du die KI ausprobierst, mach dein Projekt lesbar: Benenne Interview, B-Roll, Ton und Takes so, dass du sie wiederfindest. Das hilft auch ohne Assistent. Ein Ordner namens „Zeug“ ist immerhin ehrlich – bei der Suche hilft er trotzdem nicht besonders.
Für einen fairen Zeitvergleich notiere ich nicht nur, wann der erste Vorschlag kommt. Zähle auch Material vorbereiten, Auftrag formulieren, prüfen und korrigieren. Nimm dieselbe Aufgabe und dasselbe Material wie bei deiner normalen Suche. Wenn du am Ende länger reparierst als sonst suchst, ist die Zeitersparnis schon wieder weg.
Kamera und KI sauber auseinanderhalten
Mit der Sony FX3 aus unserem Rental drehst du das Testmaterial; für den Vergleich bleibt der Schnittweg die Variable. Nimm zwei ähnlich aufgebaute Sequenzen und lass den Assistenten eine klar begrenzte Aufgabe übernehmen. So siehst du eher, was Resolve beigetragen hat, statt unterschiedliche Licht-, Ton- oder Kameraergebnisse gegeneinander zu halten.
Ein guter Schnitt wird schon am Set vorbereitet. Notier vor dem Interview, welche Aussage, welches Detail und welche Fassungen du brauchst. Dann kannst du passende Einstellungen und B-Roll gezielt mitdrehen. Eine KI kann suchen; sie kann später keine Aufnahme nachliefern, die am Set nie entstanden ist.
So mache ich einen fairen Test
Bevor du einen externen Assistenten verbindest, klär, welcher Dienst beteiligt ist und welche Projektinhalte er sehen kann. Für den ersten Versuch nimm nur Material, das dafür freigegeben ist. Unveröffentlichte Kundengespräche gehören nicht in eine Testverbindung, deren Datenweg du nicht geklärt hast.
Wenn dein Assistent Highlight-Edits unterstützt, probier es mit einer kurzen Interviewsequenz zu einem klaren Thema. Schau dir den Vorschlag komplett an: Stimmt die Fundstelle, bleibt die Frage dabei und klingt die Antwort allein nicht plötzlich anders? Welche Aufgaben klappen, hängt vom angebundenen Dienst ab. Also lieber erst einen Clip prüfen, bevor du den ganzen Film übergibst.
- Dupliziere das Resolve-Projekt und starte mit einer kurzen Sequenz, etwa einem längeren Interview. Das Original bleibt unangetastet.
- Wenn der Assistent Highlights erstellen kann, gib einen klaren Auftrag, etwa einen ersten Vorschlag für Aussagen zur Wartung.
- Vergleiche den Vorschlag mit deiner eigenen Auswahl: Stimmen die Fundstellen, bleiben Frage und Antwort zusammen, und fehlt etwas Wichtiges?
- Erst wenn die Suche passt, teste einen einzelnen Export. Prüfe Ton, Untertitel, Bildformat, Dateiname und Zielplattform.
Spiel den fertigen Clip einmal ganz durch, bevor du ihn abhakst. Ohne den Hauptfilm muss die Aussage noch stimmen. Fehlt die Frage oder schreibt der Untertitel einen Namen falsch, geh zurück zum Ausschnitt. Genau für solche Korrekturen machst du den Test vor der nächsten Schnittschleife – nicht danach.
Was der Assistent nicht wissen kann
Bei unveröffentlichtem Kundenmaterial geht es nicht nur um Tempo. Klär die Freigabe für den konkreten Dienst und prüfe, welche Projekt- oder Gesprächsdaten er verarbeitet. Ist das unklar, nimm eigenes oder bereits freigegebenes Material. Der Assistent kennt weder Kundenzusagen noch eure internen Absprachen.
Mein Maßstab ist einfach: Findest du mit dem Assistenten die richtige Stelle schneller, ohne dass Aussage und Zusammenhang verloren gehen? Dann ist er eine nützliche Suchhilfe. Wenn du länger an seinem Vorschlag reparierst als selbst zu suchen, hast du vor allem eine neue Taste im Schnittprogramm.
Passt das zu eurem Schnitt?
Wenn du prüfen willst, ob Resolve 21.1 in euren Schnitt passt, beschreib eine wiederkehrende Aufgabe und wie ihr sie heute löst. Dann lässt sich ein kleiner Vergleich mit eurem Material planen – statt Zeitersparnis nur auf dem Papier zu feiern.
Quellen
Funktionsumfang und Verfügbarkeit: Blackmagic Design, Pressemitteilung zu DaVinci Resolve 21.1. Bildnachweis Featured Image: Fuka jaz, „Close-up view of professional video editing software displaying colorful waveforms“, Pexels. Symbolbild einer DaVinci-Resolve-Oberfläche; keine Kooperation mit Blackmagic Design. Nutzung gemäß Pexels-Lizenz.



